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Hammel, Hammel, Hammel….
Tabasqui ist das grosse, moslemische Fest, an dem in jedem
Haus ein Hammel geschlachtet wird. Bereits Wochen vor dem Fest füllen
sich die Strassen und Plätze von Dakar mit Schafen. Überall wird
gefeilscht und diskutiert. In den Strassen junge Männer, welche ihr
Schaf nach Hause zerren. Auf den Dächern der Busse, in den Kofferräumen
der Autos Schafe. Schafe, wo das Auge auch hinschaut. Dazwischen die
fliegenden Händler, welche ganze Messersets zum Verkauf anbieten. Etwas
mulmig wird einem bei dem Anblick zumute. So viele Messer, welche an
diesen Tagen in den Strassen von Dakar zirkulieren….
Bei mir in der Nachbarschaft vermehrt sich das Geblöke rundherum.
Kein Haus, das nicht ein Schaf im Hof stehen hat. Nur die arme Familie,
die in der Bauruine von gegenüber wohnt, hat noch kein Schaf. Vor ein
paar Wochen wurde ihnen der dritte Sohn geboren, was natürlich ein
grosses Fest gab. Nun sieht es so aus, als müsste die Familie ohne
Schaf Tabasqui feiern. Doch sie haben Glück. Sie haben den kleinen
Neugeborenen auf den Namen meines Freundes getauft. Dieser lässt es
sich nicht nehmen und kauft der Familie 2 Tage vor dem Fest einen
Hammel. Grosses Händeklatschen, Danksagungen, es wird für uns gebetet,
dass Gott uns Erfolg und Glück zukommen lässt.
Auch Sami, mein „Gardien“ kommt ca. zwei Monate vor Tabasqui mit einem
Schaf daher. Stolz und glücklich erklärt er mir, dass er es für seine
Mutter gekauft hat, dass es jedoch eine Überraschung sein soll. Ich
erlaube ihm, das Schaf auf die Terrasse zu bringen, sofern er es sauber
hält und meine Gäste nicht gestört werden. Die ersten 2 Tage blökt der
arme Hammel viel und jämmerlich. Sami verbringt viel Zeit damit, auf
seiner Matte neben dem Hammel zu sitzen. Nach den ersten Tagen hat sich
unser neues Familienmitglied eingewöhnt. Vor allem auch, weil Sami sich
rührend um ihn kümmert. Bald herrscht ein stilles Einvernehmen zwischen
den Beiden. Es sieht so aus, als würden sie sich ohne Worte genau
verstehen. Anfänglich war der Hammel ein etwas trauriger Anblick. Er
hatte nicht gerade viel Speck auf den Rippen und sah recht unscheinbar
aus. Durch die gute Pflege und vor allem das gute Futter, das Sami ihm
jeden Tag vorsetzte, beginnt er jedoch immer stattlicher zu werden.
Auch ich freunde mich mit dem Tier an. Wenn ich auf die Terrasse komme,
kraule ich ihm den Kopf. Mit der Zeit hält er mir den Kopf hin und gibt
keine Ruhe, bis ich ihn gekrault habe. Er beginnt kleine Spielchen zu
machen, stösst mich sanft mit seinem Kopf, macht lustige Sprünge. Die
Männer beginnen mit ihm zu „boxen“, was ihm sichtlich Spass macht. Als
ich dann meinen kleinen Hundewelpen zu Gast habe, nimmt ihn Sami mit
auf die Terrasse. Der Hammel beäugt den Welpen neugierig. Dann reagiert
er eifersüchtig. Er versucht möglichst nahe heranzukommen, sich auf die
Matte von Sami zu setzten, blökt und ist so richtig aufgeregt. Als
wolle er sagen: He, ich bin auch noch da, kümmert Euch gefälligst um
mich! Wir lachen über die Kapriolen, die er macht, um sich in Szene zu
setzten. Manchmal nimmt Sami den Hammel von der Terrasse herunter und
setzt sich mit ihm und dem Welpen vor die Türe. Wenn ich dann von der
Stadt komme, finde ich meinen Gardien mit der ganzen Menagerie vor dem
Haus, umringt von den Kindern der Nachbarschaft.
Einmal in der Woche ist Waschtag. Sami schleppt Eimer mit Wasser
auf die Terrasse und seift den Hammel gründlich ein. Danach strahlt
dieser dann so richtig in seinem weissen Fell. Tabasqui kommt immer
näher, der Hammel wird immer runder. Dann kommt der Tag, an dem Sami
ihn zu seiner Mutter bringt. Einer seiner kleinen Brüder holt das Tier
ab. An diesem Tag ist Sami zufrieden und strahlt wie ein
Weihnachtsbaum. Er ist sichtlicht stolz, dass er seiner Mutter dieses
Geschenk machen konnte. Seit Jahren ist es das erste Mal, dass er ihr
einen Hammel kaufen konnte. Am Morgen des Festes denke ich an den
Hammel, der jetzt wie tausende andere geschlachtet wird. Abends kommt
Sami mit einer grossen Plastiktasche zu mir. Etwas verlegen überreicht
er mir einen ganzen Schenkel des eben verstorbenen Familienmitgliedes.
Seine Mutter sende mir dies als Dank. Sie hat auch gleich noch
Kartoffeln, Zwiebeln, Maggiwürfel und Karotten beigelegt, so dass ich
alles für die Zubereitung da habe. Gerührt nehme ich das schöne Fleisch
entgegen. Das wird uns in den nächsten Tagen einen tollen Braten
abgeben.
Ja, Tabasqui ist wirklich ein ganz
besonderer Tag in diesem Land. Am Morgen gehen die Leute zuerst in die
Moschee um ihre Gebete zu verrichten. Danach werden die Schafe in jedem
Haus geschlachtet und das Fleisch zerlegt. Ein grosser Teil davon wird
sofort auf den Grill gelegt. An diesem Tag ernähren sich alle von
gegrilltem Hammelfleisch. Vor jedem Haus in meiner Strasse ein grosses
Loch im Sand, in das die Innereien und das Blut gelegt werden. Danach
werden die Löcher wieder zugeschüttet. Den ganzen Morgen über kaum
Leute auf der Strasse, alles ist still und ruhig. Aus den Häusern
steigen Rauchfahnen auf, ein würziger Duft liegt über dem ganze
Viertel. Ich steige auf die Terrasse und kann von dort in den Höfen und
auf den Dächern zusehen, wie die Nachbarn die Hammel zerlegen. Es wird
konzentriert und schnell gearbeitet. Alle haben zufriedene Gesichter,
winken uns zu und laden uns zum Essen ein. Dankend winken wir ab.
Scherze fliegen hin und her, alle sind glücklich.
Von meiner Haustüre aus sehe ich vis a vis die Talibé beim
Grillen von Fleisch. Sie sitzen still um den Grill herum, freuen sich
und geniessen den Tag, an dem sie ihre Bäuche einmal so richtig füllen
können. Bei mir im Haus ist es heute ruhig und still. Die Gäste sind
ausgegangen und ich geniesse diesen Feiertag. Ich habe meinen
Dienstmädchen frei gegeben. Es läutet an der Türe. Eines meiner Mädchen
steht da und bringt mir eine grosse Schüssel mit gegrilltem Fleisch,
Sauce und Frites. Sie wünscht uns ein schönes Fest und bittet uns um
Verzeihung. Dies ist an diesem Tag üblich. Kurze Zeit später dann mein
zweites Mädchen, welches mir ebenfalls eine Schüssel mit Hammelfleisch
bringt und mir ein schönes Fest wünscht. Ich bin ganz gerührt.
Gegen 16h00 beginnen die Leute aus ihren Häusern zu
kommen. Alle, vom Greis bis zum Baby tragen neue, festliche Kleider.
All die vielen Farben, wunderschön. Die Menschen beginnen nun ihre Tour
von Haus zu Haus. Sie besuchen Verwandte, Bekannte und Nachbarn, bitten
einander um Verzeihung und müssen in jedem Haus einen Bissen
Hammelfleisch essen. Auch die Kinder gehen von Haus zu Haus und bitten
um Bonbons und kleine Münzen. Abends dann an jeder Strassenecke ein
Fest bis weit in die Nacht hinein.
Am andern
Morgen immer noch zufriedenen Gesichter. Einige leiden allerdings an
Verdauungsstörungen. Das viele Fleisch fordert seinen Tribut. Bis zwei
Tage nach dem Fest gibt es auf dem Markt keinen Fisch zu kaufen. Wie
freue ich mich am dritten Tag, endlich wieder Fisch auf dem Teller zu
haben! Auch sonst ist nach dem Fest alles aussergewöhnlich still und
die Stadt wie ausgestorben. Viele sind zu ihren Verwandten aufs Land
gegangen und noch nicht zurückgekehrt. Ich geniesse die Stadt ohne
Staus und Gedränge, auch wenn die meisten Läden noch geschlossen sind
und die Märkte wie ausgestorben. Spätestens am Montag wird hier wieder
alles normal funktionieren, wird die Stadt zu ihrem Alltag zurückkehren.
Auberge Keur Diame-Parcelles assainies unité 15-Villa n° 15-Dakar(Sénégal)-Hotel-Chambres d’hotes-Pension Tel : +221 33 855 89 08 (+221 33 855 27 77)