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                                                                              Afrikanischer Alltag                                                                                                                                                                                                                                                                           Alltag in Senegal ist gekennzeichnet von Kontroversen. Hier ist alles möglich, alles hat nebeneinander oder miteinander Platz. Vieles, was ich heute kaum noch beachte, muss für ungewohnte Augen und Ohren sehr exotisch sein. Das Leben ist durch eine grosse Kreativität und Spontaneität gekennzeichnet. Auch die Offenheit und Herzlichkeit der Leute auf der Strasse ist immer wieder eindrücklich.                                                                                                                                                     Da bittet mich eine kleine Bettlerin mit hungrigen Augen um ein Almosen. Gerade vorhin hatte ich meine letzten Münzen vergeben, so dass ich ihr sagen muss: tut mir leid, das nächste mal. Sofort erhalte ich ein strahlendes Lächeln und ein Danke, obwohl ich ihr doch nichts gegeben habe. An der Strassenecke kaufe ich Zigaretten. Während ich zahle, drückt sich ein Talibé um den Kioskstand herum. Als ich weiter will, hält er mir seine Hand entgegen. Ich gebe ihm ein Bonbon. Er lächelt und dankt, obwohl er sicher ein Geldstück vorgezogen hätte. Dies muss er jedoch seinem Marabou abliefern, so dass ich ihm lieber etwas zum Naschen gebe, das kann er sofort in den Mund stecken und selber konsumieren. Manchmal kaufe ich auch eine Banane oder etwas Brot. Dann haben diese kleinen Kerle wenigstens etwas im Magen. Dakar ist voll von Bettlern, welche überall anzutreffen sind.                                                                                                                                                                         Im Laufe der Zeit bin ich zu meinen Lieblingsbettlern gekommen. Sie winken mir schon von weitem zu, lachen und fragen wie es mir geht, auch wenn ich ihnen an diesem Tag nichts gebe. Sie wissen, dass sie ab und zu etwas erhalten. Die andern akzeptieren, dass ich die „Toubab“ des Kollegen bin. Dieses System funktioniert gut. Sie grüssen mich trotzdem herzlich und lachen mir zu. Dann meine Freundin auf der Kreuzung bei der „Porte des Nouvelles Millénaires“, die dort immer in ihrem Rollstuhl bettelt. Ob ich nun im Taxi oder im eigenen Wagen fahre, sie macht mich schon von weitem aus und winkt mir zu. Wenn das Signal auf Rot steht, gibt sie ihrem Rollstuhl die Sporen und rast auf mich zu, um mir guten Tag zu sagen und auch ab und zu etwas Geld zu erhalten. Sie ist aber nie böse, wenn ich ihr nichts gebe. Kürzlich zeigte sie mir die Pneus ihres Rollstuhls. Sie fuhr beidseits auf den Felgen. Ich begriff, dass es sehr mühsam sein musste, auf solchen total abgefahrenen Rädern überhaupt vorwärts zu kommen. Zum Glück habe ich Freunde, die einen Scooter-Laden ganz in der Nähe haben. Ich fragte sie, ob sie meiner Freundin neue Pneus montieren könnten. Kein Problem. Der Mechaniker holte die Frau und montierte ihr sofort neue Pneus mit neuen Schläuchen. Selbstverständlich bezahlte ich das Ganze zum Schluss. Hätte ich ihr jedoch das Geld gegeben, hätte sie es bestimmt nicht für neue Pneus verwendet. Mit der Versicherung, für mich zu beten, fuhr sie glücklich davon. Bemerkenswert, wie diese armen Leute immer guter Laune sind, lachen können und sich scheinbar nicht verdriessen lassen.                                                                                                                                                                       Daneben gibt es andere Szenen: Ich sitze auf der Terrasse des renommierten „Café de Rome“ und genehmige mir eine Erfrischung. Kaum sitze ich an meinem Platz, als ein starker Platzregen vom Himmel fällt. Herrlich, es kühlt so richtig schön ab! Die Security, die vor dem Restaurant für den Parkplatz zuständig sind, bewaffnen sich mit Schirmen. Die neuankommenden Gäste werden nun unter dem Schirm in Empfang genommen und sicher und einigermassen trocken von ihrem Wagen zum Eingang begleitet. Wie Könige! Welch ein Service! Auch sonst ist in diesem Lokal alles auf Luxus eingestellt. Schön gedeckte Tische, Kellner und Kellnerinnen, die sich gegenseitig auf die Füsse treten, so viele sind es. Damit der Gast auch von hinten bis vorne bedient werden kann. Dafür sind die Preise auch entsprechend. Luxus ist halt überall auf der Welt teuer. Hier findet man Lasagne, Tiramisu, Basilikumtomaten mit Mozzarella und Vitello Tomato (sollte eigentlich Vitello Tonnato heissen) auf der Speisekarte, gekocht nach guter Italienischer Art. Eine Abwechslung im Reigen der sonstigen Luxusrestaurants, die eher französische Küche anbieten.                                                                                                                                                      Auch ein Abstecher in eines der Luxushotels lohnt sich. Tritt man durch den Eingang dieser Etablissements findet man sich sofort in einer andern Welt wieder. Zurückgelassen hat man draussen die Bettler, den Lärm und den Schmutz auf den Strassen. Hier findet man sich im angenehmen Dämmerlicht der klimatisierten Lobby des Hotels wieder. Gedämpfte Stimmen, Personal das dienstbeflissen in Uniformen bereitsteht, die dezent beleuchtete Hotelbar, die mit ihrem auserlesenen afrikanischen Dekor ein wenig daran erinnert wo man sich befindet. Alles in allem ein Ambiente, das es überall auf der Welt anzutreffen gibt, eben Luxushotels.                                                                                                                                              Luxus gibt es nicht wenig hier in Dakar. Er ist um so sichtbarer, als die Armut ebenfalls sehr gross ist. In gewissen Quartieren finden sich Villen, die eher an Paläste erinnern. In jedem Stil, und in jeder Bauweise. Mit Marmor, Säulen, Pool, grossen Gärten, Luxuskarossen, umzäunt von hohen Mauern, vor dem Tor ein bis mehrere Wächter, die Tag und Nacht die Bewohner und das Haus bewachen. Diese Villen sind oft so pompös gebaut, dass sie richtig hässlich aussehen. Traurig dabei, dass hier sichtbar wird, was korrupte Beamte und Regierungsmitglieder sich in die Tasche gesteckt haben.                                    Hier wird sowieso gerne gezeigt was man hat, wie in vielen Entwicklungsländern. Je pompöser, um so besser. Wuchtige Paläste, wuchtige Möbel, wuchtige Autos, pompöse Kleider, Schmuck, Frisuren. Sich zur Schau stellen, sich schmücken ist eine grosse Vorliebe der Menschen hier. Dabei finde ich manches bewundernswert. Die Hausfrau, die tagsüber gebückt den Boden gewischt oder mit dem Mörser gearbeitet, die Wäsche von Hand gewaschen hat oder sich im Getümmel des Marktes mit Lebensmitteln eingedeckt hat, tritt nach einer ausgiebigen Dusche nach 17h00, gekleidet und geschmückt wie eine kleine Königin vor das Haus um einen Schwatz mit der Nachbarin zu halten. Desgleichen die Männer. Wunderschön anzusehen in ihren farbigen Boubous. Selbst aus den ärmlichsten Hütten treten abends festlich geschmückte Menschen. Die Kehrseite der Medaille: Oft wird lieber Stoff gekauft, als ein Medikament für ein krankes Kind.                                                                          Sehr eindrücklich sind die Hochzeiten oder die Taufen. Man kommt sich vor wie auf einem königlichen Empfang. Bei diesen Gelegenheiten wird oft Geld über die Verhältnisse ausgegeben. Manche Familien sind danach praktisch bankrott. Bis heute ist es eine Schande, wenn das Fest nicht grossartig und üppig ausfällt. Es gibt kaum Schlimmeres, als die Nachrede der Nachbarn, dass die Familie für das Fest knauserig gewesen ist.                                                                                                    Ein weiterer Brauch hat mich sehr beeindruckt: Es gilt als ein ungeschriebenes Gesetzt, dass niemandem Essen verweigert wird. Kommt ein Gast zur Mittagszeit zu Besuch wird er geradezu genötigt mitzuessen. Bettler, die an die Türe klopfen, erhalten die Resten der Malzeiten. In Familien, denen es gut geht wird immer mehr gekocht, als nötig. Für eine Hausfrau ist es beschämend, wenn sie bei unverhofften Gästen nicht genug gekocht hat.  Nachdem die Familie gespeist hat, werden die Talibé und die Bettler gerufen. Hier geht nichts an Nahrungsmitteln verloren. Was übrig bleibt wird an die Armen verteilt. Braucht jemand einen speziellen Beistand von Gott, lässt er eine Malzeit für die Armen in seinem Quartier kochen. Dies sichert ihm den göttlichen Segen und den Eintritt ins Paradies. Alles Essbare wird mit allen geteilt. Dies hat zur Folge, dass in diesem Land kaum jemand Hungers stirbt. Für mich ist es heute selbstverständlich, dass auch ich entsprechend handle. Bei der grossen Armut in diesem Land ist es tröstlich, wenigstens etwas Weniges tun zu können, um das Elend zu mildern.                                    Dann musste ich lernen, dass Sachen, die ich als Abfall betrachte, für andere noch verwertbar sind. So habe ich nun Schachteln, in die ich leere Flaschen, Konservendosen, Karton, Papier etc. gebe, die mein Gardien dann weiterverteilt. Wenn Gäste alte T-Shirts, Schuhe, halbleere Duschmittel, Zahnpasten oder Seifen im Zimmer zurücklassen, wird es immer weitergegeben. Eine andere Art von Recycling. Zum Glück habe ich mein Personal, das ich fragen kann, ob etwas noch gebraucht werden könnte, wenn ich unsicher bin.                                                                                                                          Zum Schluss noch eine kleine Anekdote: Um die Sicherheit vor dem Haus zu erhöhen, habe ich eine gute Beleuchtung angebracht. So ist die Strasse vor meinem Haus nachts nun hell erleuchtet. Nach ein paar Tagen staunte ich über die vielen Autos, die plötzlich in der Nacht im Bereich des Lichtes parkiert waren. Dann begriff ich: der Mann von gegenüber hatte Pfiffigerweise kurzerhand aus der Strasse ein bewachtes Parking gemacht, kassiert nun Parkwächtergebühren und profitiert so von der Toubab-Nachbarin. Nach einigem Hin und Her sind wir uns nun insofern einig geworden, dass unsere eigenen Autos garantiert Platz vor dem Haus finden, und dass die Autos der Gäste Priorität haben, jedoch für die Bewachung bezahlen. Denn nach hiesiger Mentalität ist es nicht etwa die Toubab, die das Licht installiert hat und den Strom bezahlt, was dem Mann zu dieser Einnahmequelle verhilft. Weit gefehlt! Das ist Allah, der die Toubab hierher gebracht hat, damit sie das Licht installiert und den Strom bezahlt. Daher ist es das alleinige Recht dieses Mannes, das von Allah kommende Geschenk zu nutzen. Die Toubab selber muss für das Autobewachen selbstverständlich bezahlen.                                                                           Alles klar?                                                                                                                                                                                                                                                                                                              

                Auberge Keur Diame-Parcelles assainies unité 15-Villa n° 15-Dakar(Sénégal)-Hôtel-Chambres d’hôtes- Pension                                                              Tel : +221 33 855 89 08  (+221 33 855 27 77)