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EINE KLEINE HUNDEGESCHICHTE Eines Morgens, als ich vor mein Haus trat, fand ich unter dem Auto ein kleines Hundebaby. Vielleicht 6 Wochen alt. Es war völlig verdreckt, bedeckt von Läusen und wies zahlreiche kleine Verletzungen auf. Er schien jedoch gut genährt zu sein und war ein kräftiger kleiner Welpe. Als ich ihn untersuchte, zeigte er keinerlei Scheu oder Angst vor meiner Hand. Mir fiel nur seine Apathie auf. Er reagierte kaum auf meine Untersuchung, liess alles über sich ergehen. Die Farbe seines Fells war goldbraun, soweit ich das unter dem Dreck feststellen konnte. Sami, mein Gardien meinte, dass ihn wohl jemand in der Nacht ausgesetzt habe und er herumgeirrt sei. Kurz entschlossen nahm ich ihn ins Haus und verpasste ihm erst mal eine Dusche mit Seife und Wasser. Jämmerliches Gefiepe, dann begann der kleine Kerl zu zittern, hatte offensichtlich kalt. Doch eingewickelt in ein altes Frotéetuch schlief er bald darauf auf meinem Schoss ein. Dabei grunzte er leise vor sich hin. Später gab ich ihm dann Milch und etwas zu Fressen. Er war völlig ausgehungert und frass an diesem Tag kleine Mengen. Auch schlief er stundenlang in der Kartonschachtel, die ich mit einem alten Leintuch ausgelegt hatte. Sollte ich ihn behalten? Ich könnte einen Hund gut gebrauchen, da er die Sicherheit des Hauses noch beträchtlich erhöhen würde. Ich wollte es mir überlegen, wusste ich doch, was es heisst, einen Welpen gross zu ziehen. Ausserdem war er noch viel zu klein, um von seiner Mutter getrennt zu werden, brauchte viel Körperkontakt und Aufmerksamkeit. Das erste Problem stellte sich am Abend. Wohin mir dem Hund? Das Haus war voller Gäste, der Hund noch nicht stubenrein. Ich suchte eine grosse Schachtel, stellte sein Schlafkistchen hinein und dann platzierte ich das Ganze vor meine Schlafzimmertüre. Unter das Leintuch versteckte ich eine Flasche, gefüllt mit heissem Wasser, denn es wurde nachts empfindlich kalt. So hoffte ich, dass ich doch einigermassen zu meinem Schlaf kommen konnte. Doch weit gefehlt! Erst wollte er um keinen Preis in der Kiste bleiben, wollte spielen und herumrennen. Sobald ich mich entfernte, begann er zu fiepen. Meine Gäste wollten schlafen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als eine geschlagene Stunde mit dem Welpen zu spielen. Dann wurde er müde, schlief friedlich in seiner Kiste ein. Nach 2 Stunden war jedoch schon wieder Radau vor meiner Türe. Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich dieser Nacht kaum ein Auge zugetan hatte. Morgens musste ich dann wieder um 7h30 aus den Federn, freudig von meinem kleinen Hundebaby begrüsst. Das Frühstück für meine Gäste bereitete ich mit dem Welpen zwischen meinen Füssen, der heute bereits viel lebendiger und aufgeweckter wirkte. Er folgte mir überall hin. Wollte spielen und gehätschelt werden. Ein kleiner, süsser Wicht, der frech zwischen seinen Schlappohren in die Welt schaute. Als nächstes musste er entlaust werden. Auch diese Prozedur liess er über sich ergehen. Inzwischen hatte er bereits ausgiebig das ganze Parterre des Hauses erkundigt und begann nun Pflanzen zu zerzausen, in den Blumentöpfen zu graben, die Fußableger vor den Zimmern mit den Zähnen zu bearbeiten. Er hatte je länger je mehr nur Flausen im Kopf. Spass machte es ihm auch, hinter den Füssen herzurennen und in die Zehen und Schuhe zu beissen. Wie oft stolperte ich in der Folge über ihn, weil er von hintern angerast kam und zwischen meine Füsse geriet. Am späten Nachmittag nahm ich ihn dann mit an den Strand. Ich wollte ihn müde machen, in der Hoffnung, die folgende Nacht schlafen zu können. Doch weit gefehlt! Auch in der zweiten Nacht machte ich kaum ein Auge zu. Am andern Tag war ich dann so müde, dass ich meinem Gardien erklärte, dass ich so den Hund nicht behalten könne. Das Haus voller Gäste, von morgens bis abends Arbeit und nachts mit dem Hund spielen. Das war zu viel. Sami meinte, dass er den Hund ja zu sich in sein Zimmer nehmen könne. Gut, ich wollte es versuchen. Als ich dann um 5h00 auf die Toilette wollte, kam mir der Kleine freudig entgegen gerannt. Sami hatte ihn kurzerhand aus dem Zimmer gesperrt und liess ihn unbewacht herumrennen, wobei der kleine Lausebengel natürlich wieder nur Schabernack getrieben hatte. Wieder spielte ich lange mit dem Welpen, bis er müde wurde und einschlief. In den folgenden Tagen gewöhnte er sich immer besser ein, folgte mir auf Schritt und Tritt, erfreute tagsüber auch meine Gäste, welche den Hund süss fanden. Er begann bereits zu begreifen, dass er nicht in die Küche kommen durfte, setzte sich vor der Türe hin, hielt den Kopf schief und beobachtet wie ich sein Fressen zubereitete. Wenn ich nicht aufpasste, schlich er sich vorsichtig und spitzbübisch an und versuchte die Küche zu erkunden. Ein lautes „Pschtt“ scheuchte ihn jedoch wieder vor die Türe, wo er sich hinsetzte und bellte, als wolle er sagen: ist ja schon gut, habe verstanden. Mit der Zeit entdeckte er auch, wie er die Treppe in den 1. Stock hinauf kam. Nun wurden die Schuhe vor meiner Türe attackiert. Er begann Spaziergänge bis auf die Terrasse zu machen. Erkundete das ganze Haus. Nichts war mehr vor ihm sicher. Ich bat die Gäste, die Türen immer zu schliessen. Stolz stand er neben einem Stofflappen, den er sich irgendwo geschnappt und bereits völlig zerfleddert hatte. Als wolle er sagen: das habe ich gut gemacht, nicht wahr? Auch begann er mit Leidenschaft hinter dem von meinem Freund gekauften Vollgummiball herzujagen, wurde ein richtiger Champion im Ballspielen. Nach einigen Tagen war er ein vorwitziger, frecher, kleiner Kerl, der sich in Szene zu setzten wusste und der Mittelpunkt des Hauses war. Ich begann den Welpen gern zu haben. Dann, nach einer Woche, schlief ich so fest, dass ich den Radau, den er machte nicht mehr hörte. Sami, mein Gardien, schlief wie immer den Schlaf der gerechten. Nun waren es meine Gäste, welche kein Auge zumachten. Einige waren verärgert, andere lachten darüber. Mir war die ganze Sache recht peinlich. Schweren Herzens entschloss ich mich, ein neues Herrchen für den Welpen zu suchen. Ich bat Sami an diesem Morgen, jemanden zu finden. Bereits nach einer halben Stunde stand ein Senegalese vor der Haustüre, welcher einen Hund brauchte. Ich verabschiedete mich traurig von meinem kleinen Schlafproblem und hoffe nun, dass er ein gutes Zuhause gefunden hat. Noch heute denke ich oft an meine Hundebaby, für das ich noch nicht einmal einen Namen gefunden hatte. Wie es ihm wohl geht? Hat er ein gutes Zuhause gefunden? Bereits 3 Tage später fand ich dann zwei süsse Katzenbabys vor meiner Türe. Ich werde mich jedoch hüten, die Tiere ins Haus zu nehmen. Katzen und Hunde gibt es überall in den Strassen. Ich habe eine Herberge für Touristen und kein Tierheim. Leider……… Ruth Isenschmid, 20.Nov.2002
Auberge Keur Diame-Parcelles assainies unité 15-Villa n° 15-Dakar(Sénégal)-Hotel-Chambres d’hotes-Pension Tel : +221 33 855 89 08 (+221 33 855 27 77)